Symptome der PNH

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Klinische Symptomatik der PNH

Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie (PNH) ist durch ein heterogenes, häufig unspezifisches Beschwerdebild gekennzeichnet, das sich zwischen einzelnen Patient:innen deutlich unterscheiden kann.ref_Schubert_2023ref_Hill_2006ref_Schrezemeier_2020ref_Hillmen_1995ref_Loschi_2016ref_McKeage_2011ref_Hillmen_2007ref_Luzzatto_2011 Die klinische Symptomatik entsteht aus dem Zusammenspiel dreier eng miteinander verknüpfter Krankheitsmechanismen: intravasale Hämolyse, Knochenmarkdysfunktion mit Zytopenien und eine ausgeprägte, PNH-assoziierte Thrombophilie mit hohem thromboembolischem Risiko.ref_Schubert_2024ref_Rachidi_2010

Zu den führenden klinischen Manifestationen vor Behandlungsbeginn zählen anämiebedingte Fatigue, Dyspnoe, Hämoglobinurie, abdominelle Schmerzen, Dysphagie, erektile Dysfunktion sowie Zeichen einer pulmonalen Hypertonie und/oder Niereninsuffizienz.ref_Schubert_2023ref_Hill_2006ref_Schrezemeier_2020ref_Nishimura_2004ref_Takeda_1993ref_Bassler_1994ref_Parker_2005ref_Parker_2011ref_Rother_2005ref_Hillmen_2010ref_Rachidi_Musallam_2010ref_Lee_2010ref_Hill_2010

Hinsichtlich der Mortalität sind vor allem thromboembolische Ereignisse, pulmonale Hypertonie und die Nierendysfunktion prognostisch entscheidend, während die übrigen Symptome primär die Morbidität und Lebensqualität beeinflussen.ref_Schubert_2023ref_Hill_2006ref_Schrezemeier_2020ref_Nishimura_2004ref_Takeda_1993ref_Bassler_1994ref_Parker_2005ref_Parker_2011ref_Rother_2005ref_Hillmen_2010ref_Rachidi_Musallam_2010ref_Lee_2010ref_Hill_2010 Die folgende Abbildung zeigt die Häufigkeit dieser Symptome bei Patient:innen mit PNH.ref_Schrezemeier_2020ref_Nishimura_2004ref_Hill_2010ref_Roeth_2018

 

Anzeichen und Symptome im Krankheitsverlauf von PNH sind:

 

Intravasale Hämolyse und Thrombozytenaktivierungref_Hillmen_2007ref_Nishimura_2004ref_Hill_2010ref_Merle_2015ref_Hill_2013ref_Kelly_2011

Die systemischen Komplikationen bei PNH sind größtenteils auf die intravasale Hämolyse und die dadurch induzierte Thrombozytenaktivierung zurückzuführen.ref_Hillmen_2007ref_Nishimura_2004ref_Hill_2010ref_Merle_2015ref_Hill_2013ref_Kelly_2011

Die folgende Abbildung fasst die wichtigsten klinischen Konsequenzen dieser pathologischen Ereignisse zusammen – von lebensbedrohlichen thromboembolischen Ereignissen über Fatigue bis hin zu verminderter Lebensqualität und erhöhter Mortalität.ref_Hillmen_2007ref_Nishimura_2004ref_Hill_2010ref_Merle_2015ref_Hill_2013ref_Kelly_2011

Hämoglobinurieref_Schrezemeier_2020ref_Joerg_2019ref_Alexander_2007

Ein charakteristisches, aber nicht obligates Zeichen der PNH ist die Hämoglobinurie. Klinisch sichtbare Hämoglobinurie liegt bei rund 26 % der Patient:innen mit PNH vor und zeigt sich typischerweise als morgens dunkel verfärbter, „colafarbenen“ Urin, bedingt durch die nächtliche Konzentration des Urins.ref_Alexander_2007ref_Roeth_2007 Dementsprechend nimmt die Verfärbung meist im Tagesverlauf ab.ref_Schrezemeier_2020ref_Joerg_2019ref_Alexander_2007 Viele Patient:innen weisen jedoch keine sichtbare Hämoglobinurie oder nur intermittierende Episoden auf, unabhängig vom Tag-/Nacht-Rhythmus.ref_Schrezemeier_2020ref_Joerg_2019ref_Alexander_2007

Die folgende Abbildung illustriert das typische Erscheinungsbild der Hämoglobinurie mit dem Verlauf der Urinverfärbung über den Tag.ref_Alexander_2007ref_Roeth_2007

Thromboembolische Ereignisse bei PNH

Thromboembolische Ereignisse sind der Hauptgrund für die hohe Mortalität bei unbehandelten bzw. lediglich supportiv behandelten Patient:innen mit PNH.
Sie sind die Folge eines chronisch prothrombotischen, komplementvermittelten Milieus, verursacht durch die unzureichende Komplementregulation und intravasale Hämolyse bei PNH. Weitere Informationen zur Pathogenese der PNH, einschließlich der vermehrten Thrombozytenaktivierung, finden Sie auf der Seite Fakten zur Erkrankung.

Klinisch relevante Hinweise:

  • Frühindikatoren für eine Thromboembolie können abdominelle oder thorakale Schmerzen, Dyspnoe und neu auftretende Hämoglobinurie seinref_Schrezemeier_2020ref_Joerg_2019ref_Alexander_2007
  • Patient:innen mit PNH haben ein bis zu 62-fach erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien im Vergleich zur Allgemeinbevölkerungref_McKeage_2011
  • Unter rein supportiver Therapie versterben bis zu 35 % der PNH-Patient:innen innerhalb von 5 Jahrenref_Loschi_2016

Das Risiko für thrombotische Ereignisse (TE) ist bereits bei kleinen PNH-Klongrößen vorhanden, wie die folgende Abbildung zeigt.ref_Schrezemeier_2020

* Die Patient:innen waren zum Zeitpunkt der Datenaufnahme nie mit C5-Komplementinhibitoren behandelt worden

Lokalisationen thromboembolischer Ereignisse bei Patient:innen mit PNHref_Hill_2013ref_Roeth_2015


Die folgende Grafik bietet eine Übersicht über typische, aber auch atypische Lokalisationen von Thrombosen bei Patient:innen mit PNH.ref_Hill_2013ref_Roeth_2015
  • Gehirn

    Häufigste neurologische Lokalisation eines TE: Sinus sagittalis superiorref_Hill_2013ref_Bilder_Alexander

  • Obere Hohlvene

    Thrombosen der V. cava superior, V. brachiocephalica und V. subclaviaref_Hill_2013ref_Bilder_Alexander

  • Lunge

    Lungenembolieref_Bilder_Alexanderref_Roeth_2015

  • Milz / Mesenterialvenen

    Milzvene, Pfortader, Mesenterialvenenref_Hill_2013ref_Bilder_Alexander

  • Leber

    Budd-Chiari-Syndrom: Bis zu 25 % der Patientenref_Hill_2013ref_Bilder_Alexander


  • Nieren

    Thrombosen der Nierenvenen oder -arterienref_Bilder_Alexanderref_Fachinfo_Ulto

  • Hautvenen

    Hautvenenref_Hill_2013ref_Bilder_Alexander

  • Venen der unteren Extremitäten

    Tiefe Venenthrombosen der unteren Extremitätenref_Hill_2013

Fortschreitende Nierenschädigung und chronische Niereninsuffizienz

Neben Thrombosen ist die fortschreitende Nierenschädigung eine weitere wesentliche Ursache für die Morbidität und Mortalität bei PNH.ref_Schrezemeier_2020ref_Nishimura_2004ref_Hillmen_2010

Zusammenhang zwischen intravasaler Hämolyse und Nierenschädigung

Durch intravasale Hämolyse freigesetztes Hämoglobin fängt Stickstoffmonoxid ab; es kommt zu einer NO-Depletion mit Endotheldysfunktion, Vasokonstriktion und einem prothrombotischen Milieu.ref_Schrezemeier_2020ref_Nishimura_2004ref_Minneci_2005ref_Mohammed_2016ref_Kokoris_2024 Gleichzeitig wird freies Hämoglobin glomerulär filtriert, in proximalen Tubuluszellen als Hämosiderin abgelagert und löst dort tubuläre Schädigungen, interstitielle Fibrose und eine progrediente Einschränkung der Nierenfunktion aus.ref_Schrezemeier_2020ref_Nishimura_2004ref_Park_2018ref_Brodsky_2008 Zusätzlich tragen mikrovaskuläre Thrombosen in der Nierenmikrozirkulation zu renalen Mikroinfarkten bei und verstärken die chronische Nierenschädigung.ref_Schrezemeier_2020ref_Nishimura_2004ref_Kokoris_2024ref_Gambillo_2020

Häufigkeit chronischer Niereninsuffizienz in einer PNH-Kohorte.ref_Hillmen_2010 Von 193 komplementinhibitor-naiven PNH-Patient:innen wiesen 36 % (n = 69) keine chronische Niereninsuffizienz auf, 43 % (n = 84) hatten eine chronische Niereninsuffizienz in den Stadien 1-2 und 21 % in den Stadien 3-5 (n = 40).ref_Hillmen_2010 Diese Beobachtungen unterstreichen, dass eine chronische Nierenschädigung bei PNH häufig ist und nicht selten ein fortgeschrittenes Stadium erreicht.

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